Andorra

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-Stück in zwölf Bildern
(Drama, 1961)

Handlung

"In Andorra lebte ein junger Mann, den man für einen Juden hielt. Zu erzählen wäre die vermeintliche Geschichte seiner Herkunft, sein täglicher Umgang mit den Andorranern, die in ihm den Juden sehen: das fertige Bildnis, das ihn überall erwartet." So fängt Max Frischs Der andorranische Jude an, das in seinen Tagebüchern 1946-49 (1950) erschien und als Skizze seines elf Jahre später erschienenen Dramas Andorra diente.

Andri leidet unter einer Identitätskrise. Er kann sich ganz und gar nicht mit dem Bild identifizieren, das Freunde und Nachbarn von ihm zeichnen und ihm immer wieder vor den Augen halten. Nach und nach übernimmt er aber auch selbst dieses Zerrbild, das der leicht negativ geprägten Vorstellung der Europäer über die Juden sehr ähnlich ist. Als Andri über seine wahre Herkunft erfährt, hat er sich mit seiner "Identität" schon abgefunden und ist davon nicht mehr abzubringen. Das soll schwerwiegende Folgen für sein Schicksal haben.

Das Drama ist wie ein Gerichtsverfahren aufgebaut, in dem die Andorraner im Zeugenstand stehen. Die zwölf Bilder sind die objektive Darlegung Andris Geschichte. Es bleibt dem Leser überlassen, das Urteil zu fällen.


Zentrale Themen

Andorra symbolisiert eine Gesellschaft, in dem gewisse menschliche Verhaltensweisen "vor gericht" stehen. Es wird gezeigt, dass im Unbewussten abscheulische Eigenschaften im Menschen latent liegen und dann aktiviert werden können, wenn sie durch äußere Umstände es "zulassen". Der Mensch weiß, seine Handlungen unabhängig von deren Bestialität zu rechtfertigen.

Andorra ist nicht Deutschland. Andorra ist überall auf der Welt, wo es Minoritäten gibt.

Max Frisch gilt zusammen mit Friedrich Dürrenmatt und Bertold Brecht als einer der zentralen Dramatiker des deutschsprachigen Raums der Nachkriegszeit.


Persönliche Meinung

Andorra ist eine spannende Geschichte, deren Fabel leicht verständlich ist. Die historische Referenz macht den Konflikt klar erkennbar. Das Drama ist leicht zu lesen.


Literatur

- Bengt Algot Sørensen: Geschichte der deutschen Literatur Band 2
Verlag C. H. Beck, München 1997

- Vorlesungen: A. Tjeldflåt April 1998




1998 Øystein Amundsen